HVO100 im Fuhrpark: Was der neue Diesel wirklich für Ihren Dieselpartikelfilter bedeutet
01.Neue Generation von Kraftstoffen
HVO100 ist ein vollsynthetischer Dieselkraftstoff aus hydriertem Pflanzenöl und biogenen Reststoffen, der fossilen Diesel nach EN 15940 eins zu eins ersetzen kann und bis zu 90 Prozent weniger CO2 verursacht als herkömmlicher Diesel. Für Fuhrparkbetreiber und Werkstätten stellt sich dabei vor allem eine praktische Frage: Verändert HVO100 die Belastung des Dieselpartikelfilters – und damit Reinigungsintervalle und Wartungskosten? Die kurze Antwort: HVO100 verbrennt sauberer, ersetzt aber nicht die regelmäßige DPF-Wartung.
Was ist HVO100 genau?
HVO steht für „Hydrotreated Vegetable Oil“ – hydriertes Pflanzenöl. Anders als klassischer Biodiesel (FAME) wird HVO nicht umgeestert, sondern durch Hydrierung von Pflanzenölen und biogenen Rest- und Abfallstoffen gewonnen. Das Ergebnis ist ein paraffinischer Kraftstoff nach EN 15940, der chemisch reiner ist als FAME-Biodiesel: kein Sauerstoffanteil, bessere Kältestabilität, uneingeschränkt mischbar mit fossilem Diesel. Die Zahl „100″ steht dafür, dass es sich um den reinen Kraftstoff handelt – nicht um eine Beimischung wie bei B7-Diesel.
- Herstellung aus biogenen Rest- und Abfallstoffen, nicht aus Rohöl
- Bis zu 90 Prozent weniger Treibhausgasemissionen im Vergleich zu fossilem Diesel
- Uneingeschränkt mischbar mit herkömmlichem Diesel, kein Tankumbau nötig
Freigabe: Welche Fahrzeuge dürfen HVO100 tanken?
Über 25 Fahrzeughersteller haben HVO100 mittlerweile freigegeben, darunter Mercedes-Benz (OM654/656/642 ab Baujahr 2018), BMW (B47/B57 ab 2019), der VW-Konzern mit EA288-Evo-Motoren (VW, Audi, Skoda, Seat) sowie Ford, Opel und die Nutzfahrzeughersteller Volvo Trucks, MAN, Scania, DAF und Iveco. Teilfreigaben mit Einschränkungen bestehen unter anderem bei MINI, Peugeot/Citroën, Renault und Hyundai/Kia.
Für Fuhrparkbetreiber ist das der wichtigste Schritt vor der Umstellung: Ohne explizite Herstellerfreigabe für das jeweilige Modell und Baujahr riskieren Sie im Schadensfall den Verlust der Garantie – unabhängig davon, ob der Motor technisch mit HVO100 zurechtkäme.
Verfügbarkeit und Kosten
In Deutschland bieten aktuell rund 745 Tankstellen reines HVO100 an (Stand August 2026), hinzu kommen etwa 1.715 Stationen mit HVO-Beimischungen von 14 bis 33 Prozent – vor allem über große Netze wie ARAL Ultimate. In Summe ist damit an rund 2.460 Standorten HVO-haltiger Diesel erhältlich, statistisch an jeder sechsten deutschen Tankstelle. Die Verteilung ist regional noch ungleich, verbessert sich aber kontinuierlich.
Preislich liegt HVO100 aktuell meist über fossilem Diesel, da die Rohstoffkosten höher sind. Da der Kraftstoff jedoch von der steigenden CO2-Bepreisung ausgenommen bleibt, dürfte sich der Preisabstand mittelfristig verringern.
Was bedeutet HVO100 für Ihren Dieselpartikelfilter?
Weil HVO100 als paraffinischer Kraftstoff sauberer verbrennt als fossiler Diesel, entstehen tendenziell weniger Rußpartikel bei der Verbrennung. Das kann die Abstände zwischen aktiven Regenerationsphasen des DPF etwas verlängern.
Entscheidend ist aber: Der Großteil der Ablagerungen, die einen Dieselpartikelfilter im Lauf der Zeit verstopfen, besteht nicht aus Ruß, sondern aus Sulfatasche – Rückständen aus Motoröl-Additiven, die bei jeder Verbrennung anfallen, unabhängig vom Kraftstoff. Diese Asche verbrennt nicht bei der Regeneration und lässt sich ausschließlich durch professionelle Reinigung entfernen.
- Weniger Ruß durch HVO100 kann Regenerationsintervalle leicht verlängern
- Ascheablagerungen aus dem Motoröl entstehen unabhängig vom Kraftstoff weiter
- Für Kurzstrecken- und Stop-and-Go-Flotten bleibt die DPF-Reinigung genauso relevant wie zuvor
- HVO100 ist kein Ersatz, sondern höchstens eine Ergänzung zur regelmäßigen Wartung
Praxis-Tipps für Fuhrparkbetreiber und Werkstätten
Herstellerfreigabe für jedes Modell und Baujahr einzeln prüfen, bevor Sie umstellen
Tankstellennetz entlang Ihrer Routen abgleichen – reines HVO100 ist noch nicht überall verfügbar
Reinigungsintervalle nicht eigenmächtig verlängern, sondern anhand von Warnleuchten, Differenzdrucksensor und Fahrprofil weiter im Blick behalten
Bei ersten Anzeichen wie Leistungsverlust, erhöhtem Verbrauch oder AGR-Fehlermeldungen den DPF frühzeitig prüfen und reinigen lassen, statt auf den Kraftstoffwechsel allein zu vertrauen
Fazit
HVO100 ist ein sinnvoller Baustein, um die CO2-Bilanz eines Diesel-Fuhrparks kurzfristig zu verbessern, ohne Fahrzeuge auszutauschen. Für den Dieselpartikelfilter ist der Kraftstoffwechsel aber kein Ersatz für die regelmäßige Wartung: Ascheablagerungen aus dem Motoröl entstehen weiterhin, unabhängig davon, welchen Diesel Sie tanken. Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt den DPF weiterhin in festen Intervallen professionell prüfen und reinigen. Als TÜV- und DEKRA-zertifizierter Fachbetrieb reinigen wir Ihren Dieselpartikelfilter mit über 98 Prozent Reinheitsgrad, ohne Demontage, in der Regel innerhalb von 1 bis 3 Werktagen – für PKW ebenso wie für Nutzfahrzeuge im Fuhrpark.
